Andacht von Manfred Frank  (Pastor EFG-Templin)

Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.

(1.Kor 7,23)

Es ist kein großes Wunder, dass gerade die „einfachen“ Leute Christen wurden, denn Jesus Christus war ja einer der Ihren geworden. Gott kam als Mensch in diese Welt – nein, es muss heißen: Gott kam als „einfacher“ Mensch in diese Welt. Er umgab sich mit Menschen, die nicht der Oberschicht zuzurechnen waren. Zu Leuten aus der Oberschicht hatte Er, von wenigen Ausnahmen abgesehen, ein eher zwiespältiges, ein distanziertes Verhältnis. Dies beruhte auf Gegenseitigkeit. Die Leute „da oben“ nahmen Jesus eher als Feind wahr und wandten sich höchstens an Ihn, wenn andere nicht mehr helfen konnten.

Dies wurde in Liedern gefasst und von den ersten Christen besungen, wie wir bei Paulus nachlesen können: Gott wurde Mensch und nahm das Wesen eines Knechtes an. Doch wo wir „Knecht“ lesen, verstanden sowohl Paulus als auch seine Leser „Sklave“. Es gibt Stimmen, die meinen, dass es den vielen Christen, die selbst Sklaven waren, schwerfallen musste, Jesus als den Herren zu bezeichnen, weil sie ja immer ihre eigenen Besitzer vor Augen hatten, die mal freundlich und rücksichtsvoll sein konnten, aber zumeist eher bösartig wenn nicht gar brutal waren, denen sie aber immer fast hilflos ausgeliefert waren. Vielleicht fiel es ihnen wohl leichter als gedacht, weil es auch der Seele gut tat zu wissen, dass Jesus, der Retter, der Barmherzige, ihr wirklicher Herr war, dass sie einen Herrn hatten, der einer der Ihren war und der sie frei gemacht hatte. Für diesen Herren Jesus Christus waren sie eben nicht nur „Besitz“ oder „Objekte“, über die ein Besitzer nach Lust und Laune verfügen konnte bis hin zu sadistischen Spielchen. Nein, von diesem Herrn wurden sie wertgeschätzt. Er hat aus ihnen, den Sklaven, Kinder Gottes gemacht.

Mit den Sklaven von damals möchte ich nicht tauschen. Aber jeden hätte dieses Schicksal treffen können. Man wurde vielleicht bereits als Sklave geboren. Andere gerieten in Kriegsgefangenschaft und endeten als Sklaven. Vor allem Zivilisten wurden häufig zur Kriegsbeute. Andere wurden Sklaven, weil sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten. So verkauften manche sich selbst, um ihre Familie zu schützen. Andere – ja, leider auch das gab es – verkauften eines ihrer Kinder. Und auch das gab es: Sklavenjäger, die Menschen entführten und in einer entlegenen Ecke der Welt als Sklaven verkauften.

Und heute? Heute kann kein Mensch mehr legal einen anderen Menschen besitzen, aber dafür gibt es moderne Formen der Sklaverei, wenn eine Person zum Zweck der wirtschaftlichen Ausbeutung unter der Kontrolle einer anderen Person steht, welche Gewalt- und Machtmittel einsetzt, um diese Kontrolle aufrechtzuerhalten. Sie zeigt sich als Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft, Zwangsprostitution, Zwangsheirat, Menschenhandel. Kirchen verschweigen gern, dass deren Vertreter jahrhundertelang Sklaverei als gottgewollt verteidigt haben. Atheisten verschweigen gern, dass es überzeugte Christen waren, die für die Abschaffung der Sklaverei gekämpft haben. Auch heute engagieren sich viele Christen im Kampf gegen die modernen Formen der Sklaverei.

Weil den Leuten in den ersten Gemeinden die Sklaverei ein leider allzu vertrautes Thema war, konnte Paulus dies als Bild verwenden ohne anzuecken. Aus geistlicher Sicht sind in seinen Augen alle Menschen in gewisser Weise Sklaven, nicht nur die „echten“. Darin trafen sich alle Gesellschaftsschichten damals wie übrigens auch heute. Wir alle sind darin gleich: Wir sind nicht so frei, wie wir denken und uns geben. Es brauchte schon einen immens hohen Preis, um uns wahrhaft frei zu machen, selbst wenn wir in unfreien Strukturen leben. Jesus hat diesen Preis bezahlt. Keines von Paulus Gemeindegliedern hätte verstanden, wenn ein freigekaufter Sklave sich wieder freiwillig in die Sklaverei begeben hätte. Und nun fragt Paulus uns, die wir zum Glück Sklaverei nicht am eigenen Leibe erlebt haben, warum wir uns aber dennoch unsere Freiheit rauben lassen. Warum lassen wir uns zu Sklaven unserer Ängste, der Bewertung durch andere, unseres Charakters, unserer Familiengeschichte, einer Ideologie, des Geldes, von Suchtmitteln oder unseres Lügengebäudes machen? Warum nur?, fragt Paulus, wo Jesus uns doch so teuer erkauft hat. Ein Sklave hätte alles getan, alles gegeben, um endlich die Freiheit zu erlangen. Wir sollten dieses kostbare Gut achten und uns nicht gedankenlos oder wohlüberlegt in neue Abhängigkeiten begeben.

 

 Es grüßt

Manfred Frank

 

Losung des Tages

Dienstag, 18. Februar 2020
Fürchte dich nicht, liebes Land, sondern sei fröhlich und getrost; denn der HERR hat Großes getan.
Groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.

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